Gott hat NICHT alles unter Kontrolle

Es klingt so fromm, so sicher, so tief gläubig: „Gott hat alles unter Kontrolle.“ Wir sagen es auf Beerdigungen, wir sagen es, wenn Katastrophen über die Welt hereinbrechen, und wir sagen es, wenn wir uns ohnmächtig fühlen. Doch hinter dieser vermeintlich tröstlichen Fassade verbirgt sich eine gefährliche religiöse Floskel unserer Zeit. Warum? Weil es Gott zum Urheber des Schreckens macht und uns Menschen aus der Verantwortung nimmt.

Was sagt die Bibel wirklich über Herrschaft und Kontrolle?

Eigentum ist nicht gleich Kontrolle

Wir müssen klar zwischen Eigentum und der tatsächlichen Ausübung von Kontrolle unterscheiden. Gott ist zweifellos der Schöpfer und Eigentümer des Universums. Doch er hat sich bewusst entschieden, die Verwaltung der Erde in die Hände der Menschen zu legen.

Der Himmel ist der Himmel des HERRN, aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.
Psalm 115,16

Gott ist kein Controlfreak

Gott ist kein manipulativer Mikromanager, der jedes Detail unseres Lebens steuert. Seine wahre Größe zeigt sich gerade darin, dass er in seiner Souveränität dem Menschen einen freien Willen geschenkt hat. Er gibt uns die Freiheit, uns sogar gegen ihn zu entscheiden.

Würde Gott alles kontrollieren, wäre er konsequenterweise auch für Kindesmissbrauch, Sklavenhandel, Korruption und jede Form von Elend verantwortlich. Wenn wir sagen „Gott hat die Kontrolle“, geben wir ihm die Schuld für Dinge, die durch den Ungehorsam der Menschen verursacht werden.

Schon bei der Schöpfung war Gottes Auftrag an uns eindeutig.

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alle kriechenden Tiere auf der Erde! Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan, und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!
1. Mose 1, 26-28

Erst Jesus hat den Vater offenbart

Wenn wir behaupten, Gott würde Krankheiten oder Leid schicken, um uns etwas zu lehren oder zu bestrafen, bringen wir Gott, den Vater, in einen direkten Konflikt mit Jesus Christus. Als Jesus auf der Erde war, heilte er die Kranken und befreite die Unterdrückten. Hätte Gott diese Krankheiten zuvor bewusst geschickt oder unter seiner direkten Kontrolle eingesetzt, hätte Jesus gegen den Willen seines Vaters gehandelt, indem er sie wegnahm.

Doch Gott ist gut, und seine Güte hat er vollkommen durch seinen Sohn offenbart. Wenn wir das Handeln Gottes im Alten Testament nicht verstehen, brauchen wir entweder die Offenbarung durch den Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit führt, oder wir richten unseren Blick auf das Leben und Wirken von Jesus. Denn erst durch Jesus ist uns der Vater wirklich offenbart worden.

Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und genügt es uns! Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater?
Johannes 14,8-9

Warum das Böse wächst

Das Böse auf dieser Welt existiert nicht, weil Gott es kontrolliert, sondern weil Menschen – die „Söhne des Ungehorsams“ – sich den Gedanken des Teufels hingeben. Der Teufel selbst hat keine eigenmächtige Kontrolle; er braucht Menschen, die seine Lügen akzeptieren und ausführen.

Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot wart durch Übertretungen und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. Unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten, und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen.
Epheser 2,1-3

Oft verbringen wir unsere Zeit damit, den „Himmel zu bestürmen“, damit Gott die Not lindert. Dabei sind wir gesandt, Salz und Licht in dieser Welt zu sein – im Glauben und in der Liebe zu wandeln, aktiv zu handeln und in der uns gegebenen Autorität zu beten.

Unsere wahre Position: Herrschen statt Opferdasein

Gott hat uns fast auf seine eigene Stufe gestellt, um seine Herrschaft auf Erden zu repräsentieren. Das hebräische Wort in Psalm 8 für „Engel“ ist eigentlich Elohim (Gott).

Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du dich um ihn kümmerst? Denn du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Elohim [Gott], mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht, alles hast du unter seine Füße gelegt.
Psalm 8,5-7

Als Gläubige sind wir der Leib Christi. Das bedeutet, dass die Autorität, die Jesus erworben hat, nun durch uns ausgeübt werden muss. Wir sind nicht dazu berufen, Opfer der Umstände zu sein, sondern im Leben zu herrschen.

Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft kam durch den einen, wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus.
Römer 5,17

Und in Epheser 1 lesen wir über die Position Jesu und die seiner Gemeinde.

Die hat er in Christus wirksam werden lassen, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in der Himmelswelt, hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen genannt werden wird. Und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.
Epheser 1, 20-23

Praktische Konsequenzen

Wenn man nicht mehr davon ausgeht, dass Gott alles kontrolliert – selbst das Chaos –, hat das zur Folge:

  • Eigenverantwortung: Man erkennt, dass man selbst die Kontrolle über sein Leben, seine Gedanken, seine Worte und sein Umfeld hat.
  • Widerstand gegen die Furcht: Man fällt nicht mehr auf die Schreckensnachrichten der Medien herein, die oft nur Furcht verbreiten wollen, sondern hört auf die Stimme Gottes.
  • Aktive Herrschaft: Du fängst an, über Krankheit, Mangel, Sorgen und die Werke der Finsternis zu regieren, anstatt sie als „Gottes Willen“ hinzunehmen.

Wenn wir das nicht erleben, liegt es nicht an Gott, sondern an uns. Er hat uns in Jesus Christus aus Gnade alles geschenkt und uns zur Verfügung gestellt. Eine geistliche Gesetzmäßigkeit bringt es treffend auf den Punkt: aus Gnade durch Glauben. Und dabei geht es nicht um einen Glauben des Verstandes, sondern um einen Glauben des Herzens.