In Session 1 der Advance Conference 2023 zeigt Chad Gonzales, wie echte Kraft nicht aus Anstrengung, sondern aus dem Verständnis unserer Identität in Christus entsteht. Von der Ablösung vom Leistungsdruck bis zur praktischen Einheit mit dem verherrlichten Jesus – dieser Beitrag fasst seine wichtigsten Erkenntnisse zusammen und lädt ein, vom „Tun“ ins „Sein“ zu wechseln.
Einleitung: Die Lücke zwischen Versprechen und Realität
Kennen Sie dieses Gefühl? Sie lesen die Bibel und stoßen auf Verheißungen von wundersamer Heilung, übernatürlicher Versorgung und einem Leben im Sieg. Inspiriert beten, bekennen und kämpfen Sie, um diese Realität in Ihr eigenes Leben zu ziehen. Doch allzu oft bleibt der Alltag eine zermürbende Anstrengung. Die versprochenen Wunder scheinen in einer anderen Dimension zu existieren, während Sie hier unten hart für Ergebnisse arbeiten, die oft ausbleiben. Diese Diskrepanz zwischen dem, was geschrieben steht, und dem, was wir erleben, ist eine der größten Frustrationen im modernen Christentum. Man fragt sich unweigerlich: Mache ich etwas falsch? Fehlt es mir an Glauben, an Hingabe, an Eifer?
Was aber, wenn das Problem nicht mangelnder Einsatz ist, sondern ein fundamental falscher Ansatz? Was, wenn wir die ganze Zeit versucht haben, eine Tür aufzustoßen, die bereits weit offen steht? Was, wenn der Schlüssel zu einem Leben in Kraft nicht in der Steigerung unserer Anstrengung, sondern in der Vertiefung unseres Verständnisses unserer Identität liegt. Es ist eine radikale Verschiebung weg von dem, was wir tun müssen, hin zu der Erkenntnis, wer wir bereits sind. In diesem Artikel habe ich sechs Erkenntnisse aus Session 1 der Advance Conference 2023 von Chad Gonzales zusammengefasst.
1. Sie versuchen zu hart: Warum Ihr Fokus auf den ‚Glauben‘ Sie vielleicht zurückhält
In vielen charismatischen und glaubens-orientierten Kreisen liegt der Schwerpunkt auf der Leistung des Einzelnen. Es geht um deinen Glauben, dein Bekenntnis, deine Werke. Man bekommt beigebracht, dass das Ergebnis von der richtigen Anwendung bestimmter geistlicher Prinzipien abhängt. Genau dieser Ansatz ist die Ursache für mangelnde Resultate. Wenn der Fokus auf unserer eigenen Fähigkeit liegt, Glauben zu „produzieren“, setzen wir uns unter einen enormen Leistungsdruck. Jeder Misserfolg wird zu einem persönlichen Versagen. Dieser auf sich selbst fokussierte Leistungszirkel schafft eine lähmende Abhängigkeit von menschlichen Lehrern, während wir von Konferenz zu Konferenz jagen, um den nächsten „Schlüssel“ oder die nächste „Formel“ zu finden, anstatt in der Quelle selbst zu ruhen.
Der Gegenentwurf ist befreiend: Der Fokus muss radikal von uns selbst weggenommen und auf Jesus und unsere Einheit mit ihm gelegt werden. Die entscheidende Frage ist nicht mehr „Was muss ich tun?“, sondern „Wer bin ich in Christus?“. Dieser Wechsel verschiebt die Quelle der Kraft von unseren begrenzten Bemühungen hin zur unbegrenzten Realität Christi in uns. Wunder, Heilung und Durchbruch sind dann keine Belohnung für unsere perfekte Glaubensleistung, sondern die natürlichen Nebenprodukte, die aus der Quelle (Jesus) fließen, sobald wir erkennen, dass wir mit ihm verbunden sind. Solange wir unsere eigene geistliche Temperatur messen und unsere Leistung bewerten, sind wir auf uns selbst fixiert und blockieren den Fluss dessen, was Christus bereits für uns und durch uns tun möchte.
Wir richten den Fokus auf Jesus und weg von deinem Glauben, deinem Bekenntnis, deiner Arbeit, deinem dies, denn in dem Moment, in dem du anfängst, auf dich zu schauen, bist du erledigt.
2. Erlösung ist kein Ticket, sondern eine Positionsänderung
Wie wird das Evangelium oft präsentiert? Die Frage lautet meist: „Wenn du heute stirbst, kommst du dann in den Himmel oder in die Hölle?“ Diese Herangehensweise, so gut sie auch gemeint sein mag, reduziert die Erlösung auf eine Art „Ticket für den Himmel“ – eine Feuerversicherung für das Jenseits. Wir haben uns mit diesem „Verkaufs-Pitch“ massiv unter Wert verkauft. Die Erlösung ist unendlich viel mehr als nur eine Garantie für die Zukunft. Sie ist eine radikale Transformation in der Gegenwart.
Stellen Sie sich einen anderen Pitch vor: „Möchtest du, dass Gott selbst in dir wohnt? Möchtest du in eine Position versetzt werden, in der du nie wieder krank sein musst? Möchtest du Sünde und Furcht beherrschen, anstatt von ihnen beherrscht zu werden? Möchtest du ein übernatürliches Leben jetzt führen?“ Das ist die wahre Tragweite der Erlösung. Jesus kam nicht in erster Linie, um unser zukünftiges Ziel zu ändern, sondern um unsere gegenwärtige Position zu ändern. Es geht um eine Identitätsverschiebung. Die Erlösung versetzt uns aus dem Reich der Finsternis, des Mangels und der Krankheit in das Reich Gottes, in dem wir mit ihm vereint sind. Der primäre Zweck ist nicht, uns eines Tages in den Himmel zu bringen, sondern den Himmel jetzt in uns zu bringen. Gott zieht in uns ein, damit er durch uns leben, handeln und sich der Welt offenbaren kann. Es ist eine Änderung des Wohnsitzes – von einer Position der Trennung zu einer Position der vollkommenen Einheit mit ihm.
3. Die geistliche Welt ist näher, als Sie denken
Für viele Gläubige ist die geistliche Welt ein abstraktes Konzept – ein ferner Himmel, den man nur durch intensives Gebet erreichen kann. Chad Gonzales teilt eine zutiefst persönliche und erschütternde Geschichte, die diese Vorstellung radikal in Frage stellt. Tage nach dem unerwarteten Tod seiner Frau Lacey im April 2023 befand er sich im Gebet. Um seinen Verstand zu fokussieren, schaltete er bewusst seine Emotionen ab. Mit geschlossenen Augen spürte er plötzlich Laceys Anwesenheit so real, als stünde sie direkt hinter ihm. Dann sah er sie in einer Vision: strahlend und lächelnd hinter einem durchsichtigen, schimmernden „Schleier der Herrlichkeit“. Sie trat an diesen Schleier heran, drückte ihr Gesicht dagegen und streckte ihre Hand vollständig hindurch. Seine Reaktion war unmittelbar und instinktiv: „Das hat mich so sehr erschreckt, dass ich die Augen aufriss.“ Seine sofortige Interpretation: „Das ist eine beschlossene Sache – sie steht da und wartet darauf, dass ich sie herüberziehe.“
Später am Abend, als er erneut betete, kam die Vision zurück, aber diesmal mit einem anderen Gedanken: „Sie wartet darauf, dass du kommst.“ Chad Gonzales erzählt: „Ich habe das zurückgewiesen wie den Teufel persönlich. Etwa 20, 25 Minuten lang sagte ich, nein, nein, das denke ich nicht.“ Am nächsten Tag im Bestattungsinstitut traf er auf eine geistliche Mauer. Er flehte Gott an, doch nichts geschah. Erst als ein Freund sagte: „Lacey, wir brauchen dich hier“, brach es aus ihm heraus. Er erkannte: „Ich habe eine Stunde lang gegen das gekämpft, was ich bereits wusste.“ Er hatte seine eigene Interpretation über Gottes Botschaft gestellt.
Was diese Erfahrung von einer rein subjektiven Empfindung abhebt, ist die erstaunliche Bestätigung, die Tage später folgte. Ein Freund erzählte ihm von einer Vision der Prophetin Clara Grace aus den frühen 1960er Jahren, in der sie mit fast identischen Details beschrieb, wie Gott ihr zeigte, dass jene, die uns vorangegangen sind, manchmal an diesen „Schleier der Herrlichkeit“ treten und ihre Hände und Gesichter hindurchdrücken können. Die Lehre ist tiefgreifend: Das Reich Gottes ist keine ferne Utopie, sondern eine unmittelbar zugängliche Realität. Unsere Gebete sind keine verzweifelten Rufe in die Ferne, sondern eine bewusste Verbindung mit einer Kraft, die genau hier ist.
4. Ihr Maßstab ist nicht der Jesus, der auf der Erde wandelte
Wen betrachten wir als Maßstab für unser Glaubensleben? Oft sind es die großen Glaubenshelden der Vergangenheit wie Smith Wigglesworth oder Kenneth Hagin. Die nächste Stufe ist, sich am irdischen Jesus zu messen. Doch die vielleicht radikalste Idee ist: Nicht einmal der Jesus, der vor 2000 Jahren auf der Erde wandelte, sollte unser ultimativer Maßstab sein. Diese Aussage klingt zunächst provokant, doch die theologische Begründung ist unanfechtbar und entfaltet eine enorme Kraft.
Der Schlüssel liegt in einer entscheidenden Unterscheidung. Der Jesus, der über die staubigen Straßen Galiläas ging, operierte als Mensch unter den Einschränkungen des Alten Bundes. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt jedoch wurde er zum verherrlichten Christus, der zur Rechten Gottes in absoluter Autorität sitzt. Die theologische Bombe, die in Epheser 2,6 gezündet wird, lautet, dass unsere Einheit nicht mit der historischen Figur des irdischen Jesus besteht, sondern mit dem gegenwärtig herrschenden, verherrlichten Christus. Wir wurden mit ihm gekreuzigt, mit ihm auferweckt und mit ihm in die himmlischen Örter versetzt.
Nur durch diese Linse ergibt das Versprechen aus Johannes 14,12 einen Sinn: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zu meinem Vater gehe.“ Wie können wir „größere“ Werke tun? Nicht, weil wir größer sind als Jesus. Sondern weil der verherrlichte Christus, mit dem wir heute eins sind, sein unbegrenztes Werk durch uns fortsetzt. Wenn wir unsere Identität in diesem verherrlichten Christus finden, verschiebt sich unser Maßstab für das Mögliche von der Vergangenheit in die grenzenlose Realität dessen, wer er jetzt ist – und wer wir in ihm sind.
5. Die größte Identitätskrise findet in der Kirche statt
Wir blicken oft auf die Welt und schütteln den Kopf über die vorherrschende Identitätsverwirrung. Chad Gonzales hält der Kirche jedoch einen Spiegel vor und behauptet kühn: „Wir haben eine Identitätskrise in der Kirche.“ Wir leben oft in einer Art geistlicher Schizophrenie, einer „doppelten Identität“, ohne es zu merken. Er nennt zwei klassische Beispiele:
- Sünder und Heiliger zugleich: Viele Christen bezeichnen sich als „Sünder, der durch Gnade gerettet ist“. Das ist mehr als ein Widerspruch; es ist eine Form geistlicher Selbstsabotage, die unsere Kraft lähmt. Entweder ist man ein Sünder, der Vergebung braucht, oder man ist durch Christus zur „Gerechtigkeit Gottes“ gemacht worden – ein Heiliger.
- Geheilt und doch krank: Ähnlich verhält es sich im Bereich der Heilung. Wir bekennen: „Durch seine Striemen bin ich geheilt“, aber im nächsten Atemzug beten wir: „Herr, bitte manifestiere meine Heilung.“ Wir versuchen also, etwas zu empfangen, von dem wir gleichzeitig behaupten, es bereits zu besitzen.
Diese widersprüchliche Haltung ist lähmend. Die Parallele zu Eva im Garten Eden ist verblüffend. Der Teufel verführte sie nicht primär zu einer bösen Tat, sondern überzeugte sie davon, dass sie etwas tun müsse, um etwas zu werden, was sie bereits war: wie Gott. Solange wir versuchen, heilig zu werden, gerecht zu werden oder geheilt zu werden, leben wir in einer Identitätslüge. Der Durchbruch geschieht, wenn wir aufhören zu versuchen und anfangen, aus der Realität dessen zu leben, wer wir bereits sind. Die ultimative Täuschung besteht darin, uns dazu zu bringen, für einen Status zu arbeiten, der uns bereits unentgeltlich geschenkt wurde.
6. Ihre Ergebnisse sind wichtiger als Ihre Theologie
In einer Welt theologischer Debatten stellt Chad Gonzales eine brutal ehrliche Frage: „Wie sind deine Ergebnisse?“ Seine Haltung ist eine direkte Herausforderung an ein intellektuelles Christentum, das sich in seiner Korrektheit sonnt, aber keine Kraft demonstriert. Er argumentiert, dass theologisches Wissen und korrekte Lehre bedeutungslos sind, wenn sie nicht die versprochenen „Früchte“ hervorbringen. Wozu dient eine perfekte Theologie über Heilung, wenn niemand geheilt wird? Wozu dient ein tiefes Verständnis von Befreiung, wenn Menschen in Gefangenschaft bleiben?
Diese pragmatische Haltung ist kein Angriff auf die Theologie, sondern eine Forderung nach ihrer Manifestation. Es ist eine Erinnerung daran, dass der Glaube im Neuen Testament nie nur eine Reihe von Überzeugungen war, sondern eine demonstrierbare Realität. Die Welt, so seine Analyse, kümmert sich nicht um unsere theologischen Debatten; sie will Beweise sehen. Sie will sehen, ob unser Gott tatsächlich einen Unterschied im Hier und Jetzt macht. Dieser Fokus auf Ergebnisse zwingt uns, unsere Überzeugungen und Praktiken zu überprüfen. Wenn das, was wir glauben, keine Frucht bringt, ist es vielleicht an der Zeit, nicht die Bibel, sondern unser Verständnis davon in Frage zu stellen.
Die Kirche ist die einzige Organisation auf dem Planeten, die damit einverstanden ist, immer und immer wieder dasselbe zu tun, ohne Ergebnisse zu erzielen, und dabei zu denken, dass sie erfolgreich ist.
Schlussfolgerung: Vom Tun zum Sein
Wenn man diese sechs Ideen zusammenfügt, kristallisiert sich eine einzige, alles verändernde Botschaft heraus. Der rote Faden ist die Befreiung vom Joch des ständigen Bemühens. Wir sind so darauf konditioniert, etwas für Gott tun zu müssen – mehr beten, mehr glauben, mehr kämpfen –, dass wir die tiefgreifende Wahrheit übersehen haben: Der christliche Glaube in seiner reinsten Form ist keine Leistungsdisziplin, sondern ein Zustand des Seins. Es geht darum, im vollendeten Werk Christi zu ruhen und zu erkennen, wer wir durch unsere Einheit mit ihm geworden sind. Heilung, Sieg und Freiheit sind keine Ziele, die wir erreichen müssen, sondern Realitäten, aus denen wir leben dürfen. Diese Verschiebung vom „Tun“ zum „Sein“ ist nicht nur eine theologische Nuance; sie ist der fundamentale Wechsel, der alles verändern kann.
Was wäre, wenn der größte Durchbruch in Ihrem Glaubensleben nicht darin bestünde, mehr zu tun, sondern endlich zu erkennen, wer Sie bereits sind?
Quelle: Chad Gonzales Ministries – The Advance Conference 2023 Session 1 (https://www.youtube.com/watch?v=3nJGOj_mO5Q)