Der Pfahl im Fleisch – Verfolgung statt Krankheit

Damit ich mich wegen der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlägt, damit ich mich nicht überhebe.
2. Korinther 12,7

Viele Christen glauben fälschlicherweise, der „Pfahl, Dorn oder Stachel im Fleisch“, von dem Paulus schreibt, sei eine Krankheit gewesen. Es handelte sich hierbei allerdings um massive Verfolgung. Paulus beschreibt diesen Pfahl explizit als einen „Boten Satans“ (griechisch aggelos), also ein geistiges Wesen, das ausgesandt wurde, um ihn zu „schlagen“. Das verwendete Wort beschreibt dabei eine wiederholte, gezielte Attacke des Feindes.

Paulus nutzte hier eine Terminologie, die bereits im Alten Testament fest verankert war. Dort wurden feindselige Menschen, die den Gerechten zusetzten, als „Dornen in euren Augen“ oder „Stacheln in euren Seiten“ (4. Mose 33,55; Josua 23,13) bezeichnet. Es ging also um den Widerstand durch Menschen, beeinflusst von geistigen Wesen, nicht um physische Gebrechen. Widersacher wollten verhindern, dass Paulus aufgrund der „Fülle der Offenbarungen“ bei den Menschen zu hohes Ansehen genoss. Durch die ständigen Angriffe sollte das Evangelium für potenzielle Nachfolger weniger attraktiv wirken.

Oft wird das Wort „Schwachheit“ als Krankheit missverstanden. Doch im Kontext bezieht sich Paulus auf seine Erlebnisse: Auspeitschungen, Steinigungen und Gefahren. Seine Schwachheit war das menschliche Unvermögen, diesen Prüfungen aus eigener Kraft standzuhalten. Gott nahm diesen Pfahl nicht weg, da Gläubige nicht vor Verfolgung bewahrt sind – wer gottesfürchtig lebt, wird Widerstand erfahren (2. Timotheus 3,12).

Gottes Antwort war: „Meine Gnade ist genug“. Er nimmt uns nicht aus Verfolgungen heraus, sondern schenkt die übernatürliche Kraft, darin zu bestehen. Wenn wir aufhören, auf uns selbst zu vertrauen, kann Gottes Stärke in uns vollkommen werden.


Der Pfahl im Fleisch war keine Krankheit, sondern dämonisch inspirierte Verfolgung. Paulus lehrt uns, dass Gottes Gnade uns nicht vor Verfolgung bewahrt, sondern uns befähigt, in dieser siegreich zu bestehen.